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2007-01-14 01:21

Jacek Górski, Miros³aw Zaj±c

Ein paraneolithischer Dünen-Lagerplatz in Modliszewice, Gde. Koñskie

Zusammenfassung

Modliszewice liegt nordöstlich von Koñskie, Woiw. ¶wiêtokrzyskie (Abb. 1). Im Jahre 1986 wurde von den Autoren im entwaldeten Dünenbereich der für die paraneolithischen Kulturen der "Waldzone" charakteristische Feuerstein- und Keramikfundstoff zutage gefördert. Das Fundmaterial trat an zwei Kulminationen ("A" und "B" - Abb. 1) auf. Der Fundplatz liegt im nordwestlichen Randgebiet des Heilig-Kreuz-Gebirges (Góry ¦wiêtokrzyskie). Die Düne mit dem Fundplatz erhebt sich ca. 5 m über das umliegende, wenig abwechslungsreiche Gelände. Für den Fund von Modliszewice liegt bisher kein Siedlungszusammenhang vor. Bekannt sind nur die Funde aus dem mittleren Pilicagebiet und dem Bereich westlich davon (Wiklak 1987, Abb. 5; Cyrek, Grygiel, Nowak 1982, Abb. 5).

Die Forschungen im Gelände wurden in mehreren Etappen durchgeführt. Zunächst fanden eingehende Oberflächenbegehungen statt, bei denen jedes Denkmal zweidimensional lokalisiert wurde (Abb. 2). Dann wurden auf einem Areal von 150 m2 innerhalb eines Meter-Netzes die Sondagebohrungen (von ca. 10 cm Durchmesser und 50-60 cm Tiefe) vorgenommen. Als Endetappe wurden die Grabungen durchgeführt. Mit dem Grabungsschnitt wurden die an der Oberfläche erkennbaren dunkleren Stellen erfaßt, die sich als archäologische Objekte herausgestellt haben (Abb. 3, 5-9). Die meisten Funde traten in der Schicht des losen, angewehten Sandes (Abb. 4).

Zu der Sammlung der vorgeschichtlichen Keramik von Modliszewice gehören knapp 200 stark zerstückelte Fragmente an. Sie kamen hauptsächlich in der angewehten Dünenschicht zum Vorschein. Nur ein Siebgefäß (Abb. 11:6) ist der Trzciniec-Kultur zuzuweisen. Die stilistischen Züge der übrigen Gefäßreste (Abb. 11:1-5) deuten darauf hin, daß die betreffende Sammlung mit dem Milieu der paraneolithischen Kulturen (Linin-Typ - Kempisty 1972, 1973, 1983) in Verbindung zu setzen ist. Aufgrund der Anklänge des am besten erhaltenen Gefäßes (Abb. 11:1) an die schnurkeramischen Becher, wie auch gestützt auf die Merkmale der übrigen Exemplare, dürfte der Fundstoff von Modliszewice in die zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. zeitlich zu setzen sein.

Die Sammlung der Feuersteinartefakte ist spärlich und umfaßt 269 Exemplare (Tabelle 1,2,3). Bei der Gliederung nach der Rohstoffart übersteigt der Anteil an erratischem Kreidesilex den des Schokoladen-Feuersteins nur geringfügig. Niedriger ist der Anteil an Jura-Silex, der an den Fundplatz als Halbrohmaterial gelangt war. Bei den meisten Kernsteinen (Taf. I-III) handelt es sich um Kernsteine für Klingen, mit einer Schlagfläche oder mit veränderter Schlagrichtung, die als Kernsteine mit einer Schlagfläche abgebaut wurden. Nur einen winzigen Prozentsatz machen Klingen und technische Abschläge aus (Taf. III:1c, 2,3; Taf. IV:1b). Es wurden 15 gänzlich und 70 fragmentarisch erhaltene Abschläge gefunden, die den unterschiedlichen Phasen der Kernsteinexploitation entstammen. Die Abschläge weisen einen beträchtlichen Grad der Standardisierung auf (Abb. 12). Die Klingen bilden 23 % des gesamten Inventars und sind in geringerem Maße vereinheitlicht (Abb. 13). Die Geräte sind an dem Inventar mit 11 % beteiligt (Tabelle 1,2,3). Neben uncharakteristischen Formen - gesplitterten Klingen und Abschlägen (Taf. V:1-5, 7-11, 16, 18) - sind hierbei folgende Formen vertreten: mikrolithische Geräte (Taf. IV:10-12), Kratzer (Taf. IV:2,3), Stichel (Taf. IV:4,5), ein Bohrer (Taf. IV:6) sowie zwei große endretuschierte Klingen (Taf. IV:7,8). Auffallend ist das Vorhandensein von drei Mikroburin-Stücken (Taf. V:12-14).

Bei den Feuersteinartefakten und Keramikfunden scheinen homogene Bestände vorzuliegen. Sie stammen aus einem verhältnismäßig geringen Areal. Als Streufunde traten sie auf einer Fläche von ca. 8 ar auf; ihr gehäuftes Auftreten wurde in einem Bereich von 3 ar belegt. Diese Anhäufung von Siedlungsspuren sowie die fehlenden stratigraphischen Verhältnisse der auf engem Raum erfaßten Objekte deutet, sieht man von der "Trzciniec_Episode" ab, indirekt auf eine einphasige Besiedlung dieses Teils der Düne hin.

Infolge einer Analyse der horizontalen Gliederung konnten innerhalb des betreffenden Lagerplatzes vier Konzentrationen ausgesondert werden (Abb. 10, 14). Die erste hängt mit den Objekten 3, 4 und 6 zusammen und zeichnet sich durch den fehlenden Keramikfundstoff aus. Die Zusammensetzung des Feuersteininventars legt die Vermutung nahe, daß uns hierbei eine Stätte vorliegt, an der die mikrolithischen Geräte gefertigt, die Kernsteine geformt und das Halbrohmaterial erzeugt wurde. Eine zweite Konzentration dürfte mit den Objekten 2 und 5 zusammenhängen. Die Gefäßfragmente traten an der Oberfläche und im Oberteil der Füllung der beiden Gruben auf. Sie stammen größtenteils von einem Becher (Abb. 11:1). Das Silex-Inventar deutet darauf hin, daß dies der Ort war, an dem der Feuerstein vorbearbeitet und das Halbrohmaterial gefertigt wurde. Die dritte Anhäufung umfaßt den Bereich der Objekte 1 und 7. In der Decke und in der Umgebung des Objektes 1 kamen zusammenpassende Reste des innerhalb der zweiten Konzentration belegten Gefäßes zum Vorschein (Abb. 11:1). In dieser Konzentration waren die Feuersteinartefakte nur sehr spärlich vertreten. Bei der vierten Konzentration handelt es sich um eine an der Oberfläche belegte Anhäufung von Keramikresten, die größtenteils von Gefäß Nr. 3 stammen. Die herausgestellten Konzentrationen spiegeln die anscheinend funktional bedingte Gliederung des Lagerplatzes wider. Die Fundstelle von Modliszewice stellt einen einphasigen Lagerplatz dar. Das Vorhandensein der in den Boden eingegrabenen Objekte deutet auf eine kurzzeitige (wohl saisonweise) Stabilisierung der Besiedlung hin.

Der Charakter des Lagerplatzes in Modliszewice läßt die für das Milieu der paraneolithischen Kulturen typischen Züge erkennen. Die Lage der Fundstelle auf einer Düne in der Nähe eines Wasserreservoirs weist zahlreiche Parallelen auf. Die Feuersteinindustrie zeigt mesolithische Merkmale, knüpft allerdings nicht an die konkreten Kulturen dieser Periode an. In der Stilistik der keramischen Fundstoffes kommt unser Fundverband den Kulturen der "Waldzone" nahe, doch ist eine Bestimmung der relativen Chronologie durch die fehlenden Anknüpfungen an die stricte neolithischen Kulturen weitgehend erschwert. Auch stellen das Vorhandensein von Objekten sowie die rings um sie herum konzentrierten Materialien kein Evenement dar (Wiklak 1987, 38-41, Abb. 2,3; Kobusiewicz 1999, Abb. 14, 16, 18, 20).

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