Zusammenfassung
Vor einhundertfünfzig Jahren - 1850 wurde im Rahmen der Krakauer Wissenschaftlichen Gesellschaft das Archäologische Komitee für die Gründung eines Museums der Altertümer in Krakau ins Leben gerufen. Letzteres erfolgte am 18. Februar 1850. Die Gründung des Museums stellte ein wichtiges Moment in der Entwicklung der Archäologie in Polen dar, da zum ersten mal auf unserem Boden die Forschungen an der Vor- und Frühgeschichte in einer hierfür zuständigen, spezialisierten Einrichtung durchgeführt werden sollten. Der an die Öffentlichkeit gerichtete Appell zur Zusendung von Informationen über die Funde und in Privatbesitz befindliche Altertümer fand bei der Bevölkerung verständnisvolles Entgegenkommen; eine der ersten Schenkungen an das Museum war das 1848 in Zbrucz entdeckte Standbild von ¦wiatowid. Durch die schnell anwachsenden Bestände des Museums konnte bereits 1857 in Krakau die erste Ausstellung der Altertümer durchzuführen, die bei der Öffentlichkeit ein großes Interesse fand.
Als ein Teil der Wissenschaftlichen Gesellschaft überdauerte das Museum fast ein Vierteljahrhundert lang, seit 1873 dagegen hing dessen Schicksal mit der soeben gegründeten Akademie der Wissenschaften (Akademia Umiejêtno¶ci) zusammen. 1891 erhielt das Archäologische Museums den Status einer selbständigen, spezialisierten Einrichtung der Akademie der Wissenschaften; in diesem Charakter bestand das Museum auch nach der Erlangung der Unabhängigkeit - als eine Einrichtung der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAU), und nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb es in der Zuständigkeit von PAN (Polska Akademia Nauk) - bis 1955, als es in eine selbständige Einrichtung des Ministeriums für Kultur und Kunst umgestaltet wurde. Derzeit verbleibt das Museum als eine Selbstverwaltungs-Einrichtung in der Zuständigkeit des Marschalls der Kleinpolnischen Woiwodschaft.
Die im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jh.s von solchen Forschern wie Godfryd Ossowski, W³odzimierz Demetrykiewicz, Józef ¯urowski sowie Tadeusz Reyman durchgeführten Forschungen erlaubten es, ein dermaßen zahlreiches Fundmaterial zusammenzutragen, daß es möglich wurde, die Vorgeschichte Kleinpolens ziemlich eingehend zu erarbeiten. Neben den Forschungseinsätzen in Kleinpolen und in der Umgebung von Krakau wurden von den Mitarbeitern des Museums auch die grabungsmäßigen Forschungen in der Ukraine (Ry¿anówka, Bilcze Z³ote) durchgeführt wie auch die Fundstoffe von den Forschungen in den anderen Regionen in aufgenommen (Peru, Ägypten).
Große Verdienste für das Museum hat sich Tadeusz Reyman erworben, der in den 20er Jahren die Museumsbestände ordnete, mit ihrer Inventarisierung begann, im Museum eine Stelle für Konservation der Funde und die erste ständige Ausstellung einrichtete. Im Jahre 1937 trat er den Posten des Museumsleiters an, den er bis 1955 (mit kurzer Unterbrechung in der Kriegszeit) bekleidete. Durch die Bemühungen von T. Reyman bekam das Museum von den Stadtsbehörden seinen derzeitigen Sitz in der Senacka-Straße 3 zuerkannt.
Das Museum trägt gegenwärtig den Charakter einer Einrichtung mit mehreren in meritorische (chronologische und sachliche) gegliederten Abteilungen, einem Labor für Konservierung der Funde und den Hilfseinrichtungen (für Paläobotanik, Paläozoologie und Numismatik); organisatorisch ausgesonderte Einrichtung ist die Zweigstelle des Museums in Nowa Huta, die für die Zwecke der in diesem Stadtteil von Krakau durchzuführenden Notbergungen ins Leben gerufen wurde. Beachtlich ist der wissenschaftliche Ertrag des Museums. Der hauptsächliche Einsatzbereich ist Kleinpolen; genannt seien hierbei die über längere Zeit dauernden Forschungen zu der Steinzeit im Gebiet der Kraków-Czêstochowa-Jura, die vier Jahrzehnte lang dauernden Forschungen an der vorgeschichtlichen Eisenverhüttung im Heilig-Kreuz-Gebirge (Góry ¦wiêtokrzyskie) oder die Rettungsgrabungen im Bereich von Nowa Huta. Durch die Tätigkeit der Abteilung für die Geschichte Krakaus in der Zeit vor der Stadtgründung rückt Krakau in die Reihe der am besten erforschten frühmittelalterlichen Stadtkomplexe Europas. Verwiesen sei auch auf die Errungenschaften im Bereich der wissenschaftlichen Organisation der Sammlungen, auf die Entwicklung im Bereich der Bildungstätigkeit und des Ausstellungswesens, wie auch nicht zuletzt auf den Umstand, daß die Ergebnisse der Forschungstätigkeit des Museum in den zwei dort herausgegebenen Jahrbüchern, und zwar in "Materia³y Archeologiczne" (seit 1959) und "Materia³y Archeologiczne Nowej Huty" (seit 1968), veröffentlicht werden..